DIE EISIGE STILLE DER ALPEN ZU ERLEBEN UND DABEI RESPEKTVOLL DEN PRÄCHTIGEN HERRSCHERN ZU BEGEGNEN IST FÜR MANCHEN JÄGER EINE SELTENE GELEGENHEIT. ABSEITS VON GEWOHNTEN REVIEREN SORGT DER WINTER IN DEN ALPEN MIT STRENGER HAND FÜR ABWECHSLUNG UND GERNE AUCH FÜR NEUE

Geschichten
für's leben.

 

 Alleine die Vorbereitungen gleichen schon einem kleinen Abenteuer. Zuerst der sorgfältige Prüfung der Großwetterlage, dann der Bericht der örtlichen Bergwacht. Daraufhin folgt die kluge Planung der Ausrüstung für durchaus härteste Herausforderungen, von festem, warmem Schuhwerk, vielseitig einsetzbarer Aussenbekleidung bis hin zum Nahrungsvorrat, der für einige Tage perfekt abgestimmt sein muss.
Die erste Herausforderung stellt bereits der Aufstieg zur Jagdhütte dar – doch die bescheidene Bleibe hat Charme: ein uralter umfunktionierter Bergbauernspeicher mit spärlicher Einrichtung, aber immerhin mit einem intakten Kamin. Was braucht man mehr! Am nächsten Morgen geht es hinaus ins königlich weiße Alpenrevier. Die sternenklare, klirrend kalte Nacht wird von letzten Schleiern von Hochnebel entlang der Waldgrenze begleitet und so beginnt Schritt für Schritt der beschwerliche Weg in eine einsame, ehrfurcht erregende Bergwelt. Die von klimaausgleichendem   Funktionsloden umgebene körpereigene Temperatur steigt zwar je bezwungenem Höhenmeter, trotzt jedoch tapfer den beissenden Gipfelwinden als plötzlich am gegenüberliegenden Hochkar, kaum erkennbar aus dem Schatten schneebedeckter Fichten und Latschen ein Rudel Scharwild in Richtung Bergkamm abspringt. Erwartungsvoll umkreist der konzentrierte Blick durch das Fernglas das winterliche, diffus belichtete Arial, als ein sichernder Bock über den Grat zieht. Die Bedingungen sind ungewohnt schwer und die Gefahr, dass er gleich abspringt ist groß. Misstrauisch windet der durchaus reife Lokalmatador. Schnell ist in der ungewohnten Umgebung der Rucksack untergeschoben und ein von Schnee bedeckter Baumstumpf dient als Auflage. Die witterungsbedingte schlechte Sicht erschwert die gründliche Ansprache und so schnell wie er aufgetaucht war, verschwindet der Bock auch wieder mit kräftigen Sprüngen, die präzise und leicht gesetzt wirken, zwischen Latschen und Felsformationen in den Wolken verhangenen Höhen. Es war nicht auf Anhieb das erhoffte Jagdglück, dennoch geht es mit leicht rasendem Herzen und durchaus Freude über ein hautnahes Naturerlebnis durch die knietief verschneiten Pfade wieder zurück zur Jagdhütte – mit Vorfreude auf ein knisterndes Feuer und weitere Geschichten für's Leben.